Absinth


Absinth wird aus Wermut, Anis, Fenchel sowie einer je nach Rezeptur unterschiedlichen Reihe weiterer Kräuter (Angelika, Kalmus, Origanum dictamnus, Koriander, Veronica, Wacholder, Muskat) hergestellt. Meistens ist Absinth intensiv grün weswegen er auch als 'die grüne Fee' bezeichnet wird. In den meisten Fällen hat Absinth einen Alkoholgehalt von 55 Volumen-Prozent, wobei es auch Absinthe ab 38 bis 85 Volumen-Prozent gibt.

Absinth stammt ursprünglich aus der Schweiz und wurde im 18. Jahrhundert vom französischen, im Exil lebenden Landarzt Dr. Pierre Ordinaire, erfunden. Dieser setzte das Kräuterelixier aufgrund der vielen enthaltenen Heilkräuter als Medizin ein.

Seine große Popularität als Getränk fand Absinth dann erst in der zweiten Hälfte des 19. und dem frühen 20. Jahrhundert in Frankreich. Doch auf dem Höhepunkt seiner Popularität stand das Genussmittel in dem Ruf, aufgrund seines Thujon-Gehalts abhängig zu machen und schwerwiegende gesundheitliche Schäden nach sich zu ziehen.

Bereits im Jahre 1915 war das Getränk in einer Reihe europäischer Staaten und den USA verboten. Diesem Verbot ging 1904 ein spektakulärer Mehrfachmord voraus, welcher laut Überlieferung im Zusammenhang mit einem Wutanfall ausgelöst durch Absinth zu einer Familientragödie führte, bei der ein Mann seine gesamte Familie auslöschte.

Moderne Studien haben den Verdacht der Schädigung der Gesundheit und des Geisteszustandes durch Absinthkonsum allerdings nicht nachweisen können, sondern man vermutet, dass die Beeinträchtigungen auf die schlechte Qualität des damals verwendeten Alkohols zurück zu führen seien. Seit 1998 ist Absinth in den meisten europäischen Staaten wieder erhältlich, ist allerdings auf eine Obergrenze des  Thujon-Gehalts auf 10mg/kg beschränkt worden.

Bei der Herstellung werden Wermut und ein Teil der Zutaten wie Anis und Fenchel in Neutralalkohol oder Weinalkohol mazeriert (eingeweicht) und anschließend destilliert. Die Destillation trägt dazu bei, die starken Bitterstoffe des Wermuts abzutrennen. Eine unverhältnismäßige Bitterkeit bei Absinth kann also ein Indiz dafür sein, dass bei der Produktion auf die Destillation ganz oder teilweise verzichtet wurde, bei der Herstellung Wermutextrakte verwendet wurden und es sich also um minderwertigen beziehungsweise unechten Absinth handeln könnte. Manchmal wird auch zur Herstellung Sternanis anstelle des Wermut verwendet, da dieser deutlich günstiger ist.

Einige der heute hergestellten Absinthe werden aus Marketinggründen mit Lebensmittelfarbe künstlich eingefärbt. Es handelt sich dabei meist um minderwertige Absinthe mit einem vereinfachten Produktionsprozess, der den Absinth aber auch wichtiger geschmacklicher Nuancen beraubt. Es lohnt sich also für einen guten Absinth auch mal ein paar Euro mehr zu investieren.

Da zu den berühmtesten Absinth-Trinkern unter anderen Charles Baudelaire, Paul Gauguin, Vincent van Gogh, Ernest Hemingway, Edgar Allan Poe, Arthur Rimbaud, Henri de Toulouse-Lautrec, Brian Warner, Oscar Wilde zählen, schrieben Hannes Bertschi und Marcus Reckewitz:

Es scheint, als sei die gesamte europäische Elite der Literatur und der bildenden Künste im Absinthrausch durch das ausgehende 19. und beginnende 20. Jahrhundert getorkelt.

Absinth wird bis heute eng mit der französischen Kunstszene dieser Zeit verbunden.

Es gibt verschiedene Arten (Rituale genannt) Absinth zu trinken.

Beim Schweizer Ritual (am wenigsten bekannt und angewandt) werden zwei bis vier cl Absinth mit eiskaltem Wasser vermischt. Hier wird auf Zucker verzichtet, da die schweizer Absinthe weniger bitter sind/waren als die französischen.

Das Tschechische Ritual (oder auch Feuerritual genannt), wurde 1990 von tschechischen Absinthproduzenten aus Werbegründen geschaffen, um das Trinken von Absinth attraktiver zu gestalten. Dazu werden ein bis zwei mit Absinth getränkte Würfelzucker auf einen Absinthlöffel gelegt und angezündet. Sobald der Zucker karamellisiert und Blasen wirft, werden die Flammen gelöscht (sonst entzündet sich der restliche, sich im Glas befindlichen Absinth, ebenfalls) und der Zucker erst dann in den Absinth gegeben. Anschließend wird Eiswasser hinzugegeben im Verhältnis 1:3 bis 1:5.

Das französische Trinkritual besitzt dagegen eine historisch belegbare Tradition. Absinth wurde im 19. Jahrhundert bis hin zum Verbot zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Frankreich auf diese Weise genossen. Ähnlich wie beim Feuerritual wird der Absinth mit Zucker getrunken. Dazu werden ein oder zwei Stück Würfelzucker auf einem Absinthlöffel platziert und sehr langsam kaltes Wasser über den Zucker gegossen oder geträufelt. Das Mischungsverhältnis liegt bei 1:3 bis 1:5.

Für das Hinzugeben des Wassers kann auch auf eine Absinthfontäne oder einen speziellen Glasaufsatz – das Brouille – zurückgegriffen werden. Bei einer Fontäne wird der Zucker auf dem Absinthlöffel durch einen dünnen Strahl aus den Fontänenhähnen aufgelöst. Das Brouille wird hingegen direkt auf das Absinthglas gesetzt, so dass der Absinth ohne Absinthlöffel zubereitet wird. Durch ein kleines Loch im Glasaufsatz strömt das Wasser in das darunter befindliche Absinthglas.



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