Grappa


Es gibt Länder, die mit bestimmten Spirituosen oder anderen Genussmitteln in Verbindung gebracht werden. So behält sich Frankreich beispielsweise das Vorrecht, Cognac und Champagner zu erzeugen, wohingegen Italien vornehmlich mit Wein assoziiert wird. Doch nicht nur dieses allerseits bekannte und geschätzte Erzeugnis findet aus Italien seinen Weg zu Genießern in aller Welt; es gibt darüber hinaus noch zahlreiche, etwas weniger bekannte Spirituosen, die auf der Halbinsel im Mittelmeer ihren Ursprung haben und dort nach wie vor (vornehmlich) hergestellt werden. Die Liste ist lang, doch ihnen allen voran steht der Grappa. Er gilt als Inbegriff der italienischen Trinkkultur und daher lohnt es sich, ihn nicht nur auszuprobieren, sondern einmal näher zu betrachten.

Der Grappa ist ein sogenannter Tresterbrand. Daher ist er untrennbar mit dem Weinanbau und der Verarbeitung von Weintrauben verbunden. Unter Trester versteht man nämlich die Bestandteile, die bei der Vergärung der Weinmaische als Rückstände anfallen: Kerne, Schalen, Stängel und Ähnliches. Wein wurde bereits in der Antike in Italien angebaut und auf die eine oder andere Art verarbeitet, doch wissenschaftlichen Studien zufolge fand das tatsächliche Destillationsverfahren erst im 11. Jahrhundert seinen Weg auf den italienischen Stiefel, als Kreuzzüge geführt wurden. Insbesondere die Jesuiten trugen zu der Verbreitung dieser Kenntnisse bei. Schon im Jahre 1451 wird der Grappa als berühmtester Vertreter der Tresterbrände das erste Mal namentlich erwähnt, doch es ist davon auszugehen, dass bereits lange vorher aus den Rückständen der Weindestillation Brände bzw. Schnäpse gewonnen wurden. Im Mittelalter waren die Tresterbrände stark vertreten und fanden vor allem bei der Mittelschicht und Unterschicht Anklang, weshalb man sie etwas abwertend als Getränk für Arme ansah. Im Jahre 1507 wurde ein berühmtes Werk zur Destillation veröffentlicht, das den Grappa oder die Tresterbrände an sich nicht ein einziges Mal erwähnte, was wohl an diesem eher schlechten Ruf liegt. Erst 1636 wurde schriftlich auf den Tresterbrand eingegangen. Selbst dies geschah in eher nüchterner als positiver Form, da man von auf Alkohol basierenden Rohstoffen sprach.

Wie also kam es dazu, dass der Grappa an Bedeutung und Zuspruch gewann? Den Grundstein dafür legte das aufkeimende Nationalbewusstsein der Italiener, nachdem ein einheitliches Land mit diversen, sich oft sehr voneinander unterscheidenden, Regionen gegründet worden war. Man suchte nach Gemeinsamkeiten und fand sie u. a. auch bei den Tresterbränden. Während des Ersten Weltkriegs gewann der Grappa an Bedeutung, denn er wurde durch Beschluss der Obrigkeit an die italienischen Soldaten ausgeschenkt, um ihnen ein Gefühl von Zusammengehörigkeit und Patriotismus zu vermitteln und dadurch für Motivation zu sorgen. Noch immer wurde dem Grappa jedoch die Anerkennung durch höhere Gesellschaftsschichten oder gar über die italienischen Grenzen hinaus verwehrt. Mitte des 20. Jahrhunderts gelang schließlich der Durchbruch, was dem Umstand zu verdanken ist, dass die Destillationspraktiken optimiert, verfeinert und erweitert wurden. Auf einmal stieg das Interesse am Grappa und insbesondere italienische Auswanderer verhalfen ihm später auch zu Beliebtheit außerhalb der Landesgrenzen. Inzwischen ist der Grappa sogar bei Gourmets ein Getränk, das Anerkennung findet und eng in Zusammenhang mit der italienischen Kultur steht.

Wie bereits erwähnt, ist der Grappa als Tresterbrand ein Produkt aus den bei der Weinherstellung unerwünschten Traubenbestandteilen. Dabei ist es nicht etwa so, dass es sich noch um ein Nebenprodukt der Weinherstellung handelt, sondern es wird eine direkte Destillation des Tresters durchgeführt. Zuvor werden die Weintrauben ausgepresst und von der Weinmaische bzw. vom Traubenmost getrennt. Deren Bestandteile werden einer separaten Destillation in Kolben unterzogen. Es ist ausdrücklich nicht erlaubt, Beiprodukte der Weindestillation bzw. Zweitweintrester zu verwenden, wenn man die Bezeichnung Grappa verwenden möchte. Zudem darf der Grappa laut Richtlinie nur in Italien produziert werden. Dadurch, dass eine feste Substanz anstatt einer Flüssigkeit destilliert wird, ist einiges an Technik und Kenntnissen erforderlich. Manch ein Kenner behauptet sogar, dass die Grappaherstellung zu den schwierigsten Verfahren im Spirituosenbereich zählt. Schon allein die Konservierung der bei der Destillation benötigten Rohstoffe gestaltet sich als schwierig.

Nach dem kompletten Herstellungsprozess enthält man einen "rohen" Grappa. Dieser muss einen Alkoholgehalt von mindestens 37,5 % vol. und höchstens 86 % vol. vorweisen. Die Form des Destillationskolbens sowie das genaue Destillationsverfahren beeinflussen den Charakter des fertigen Grappas maßgeblich. Der Destillierkolben, der mit Dampf betrieben wird, ersetzte den damaligen Kolben in Kombination mit Wasserbad und ermöglichte die optimale Verarbeitung des Tresters und eine höhere Qualität des Grappas. Nach der abgeschlossenen Destillation wird ein Grappa in der Regel sofort oder nach einer nur sehr kurzen Lagerung abgefüllt und vermarktet, wobei er einen relativ hohen Alkoholgehalt aufweist. Dies liegt darin begründet, dass die Schalen der Trauben von Natur aus den größten Teil der Geschmacksstoffe in sich bergen und daher nach der Destillation ein sehr intensiver Geschmack und ein facettenreiches Aroma entstehen. Dennoch hat sich auch der gelagerte Grappa durchgesetzt. Man experimentierte in der Vergangenheit mit zahlreichen Holzarten aus Frankreich, Deutschland und Italien selbst, bis man sich schließlich auf Eichenholz aus Slowenien einigte. Inzwischen hat man sich davon wieder abgewandt und französischen Hölzern wie Limousin und Troncais zugewandt. Sogenannte Premium-Grappas werden dadurch veredelt, dass sie in Fässern aus italienischem Holz gelagert werden, die nur ein kleines Fassvermögen besitzen.

Die ältesten, heute üblichen Grappasorten dürfen bis zu zehn Jahre lang lagern und reifen, um etwas reichhaltiger und weicher zu werden. Noch immer ist die Mehrheit der Grappas jedoch eher jung und charakterstark. Durch die lange Lagerung entsteht eine gewisse Ähnlichkeit mit einem Brandy, die Puristen eher negativ bewerten. Der typische Grappa zeigt sich in Aroma und Geschmack fruchtig, frisch und reichhaltig. Würzige Noten oder auch der Einfluss von Holz sind eher eine Seltenheit. Der junge Grappa ist am aromatischsten. Er zeigt sich naturbelassen im Aroma und beinahe neutral im Geschmack. Gereifter Grappa hingegen wirkt etwas gediegener, tiefgründiger und facettenreicher und wird mitunter auch als bekömmlicher eingestuft. Es gibt offizielle Klassifizierungen, die sich nach der Verwendung des Tresters – von aromatischen oder nicht aromatischen Trauben – sowie nach der Art und Dauer der Lagerung richten. Zudem existiert die Gattung des aromatisierten Grappas, der zusätzlich mit den unterschiedlichsten Kräutern oder anderen pflanzlichen Bestandteilen versetzt wurde. Chemische Zusatzstoffe kommen so gut wie nie zum Tragen.

Der Grappa ist inzwischen alles andere als eine Spirituose für weniger gut situierte Menschen, sondern ein italienisches Nationalgut und ein anspruchsvolles und hochwertiges Getränk, das weltweit geschätzt wird. In Italien wird er nicht selten sogar schon zum Frühstück genossen. Generell hingegen kommt er insbesondere als Digestif zum Einsatz. Es sollte beim Genuss auf die Trinktemperatur geachtet werden, da sie einen großen Einfluss auf Geschmack und Aroma hat. Ein umfangreiches Grappasortiment findet sich in unserem Shop.



Weitere Unterkategorien:








Neue Artikel





21,35 EUR
Preis p. Liter: 42,70 EUR
incl. 19 % Mwst.
exkl.
Details





26,18 EUR
Preis p. Liter: 37,40 EUR
incl. 19 % Mwst.
exkl.
Details






23,86 EUR
Preis p. Liter: 34,09 EUR
incl. 19 % Mwst.
exkl.
Details





23,86 EUR
Preis p. Liter: 34,09 EUR
incl. 19 % Mwst.
exkl.
Details






26,44 EUR
Preis p. Liter: 37,77 EUR
incl. 19 % Mwst.
exkl.
Details





23,16 EUR
Preis p. Liter: 33,09 EUR
incl. 19 % Mwst.
exkl.
Details